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Morbus Menière

Was ist das? - Definition

Beim Morbus Menière handelt es sich um eine Erkrankung des Innenohrs ("Labyrinth"). Typischerweise treten vier Symptome gemeinsam auf: Ohrgeräusche (Tinnitus) und Druckgefühl im Ohr, Schwerhörigkeit und akute Drehschwindel-Anfälle. Die Krankheit wurde 1861 von dem französischen Arzt P. Menière erstmals beschrieben und nach ihm benannt.

Wie wird es noch genannt? - Andere Bezeichnungen

Ménière-Krankheit

Wie kommt es dazu? - Mögliche Ursachen

Die Erkrankung spielt sich im Innenohr ab. Das Innenohr besteht aus drei knöchernen Bogengängen, dem so genannten Labyrinth, das hauptsächlich für den Gleichgewichtssinn zuständig ist und einem langen zu einer Schnecke gebogenen Gang, der für die Weiterleitung des Schalls und den Hörvorgang wichtig ist. In diesen hohlen Gängen befindet sich ein hochkomplexes, ausgetüfteltes System aus "Schläuchen", gefüllt mit unterschiedlichen Flüssigkeiten, Membranen, gallertartigen Kissen, Kristallen und Steinchen, und Sinneszellen. Dieses komplexe System ermöglicht uns zum einen durch die unterschiedlichen Dichten der Bestandteile und den dadurch bedingten unterschiedlichen Trägheiten bei Bewegungen oder Beschleunigungen, die Lage des Kopfes, selbst mit geschlossenen Augen, und Drehbeschleunigungen wahrzunehmen. Zum anderen wird in dem System Schall weitertransportiert und über die angekoppelten Nervenzellen im Gehirn "hörbar" gemacht. Kommt es allerdings bei einem Teil dieses Systems zu Abweichungen, so funktioniert das perfekte Zusammenspiel nicht mehr.
Beim Morbus Menière ist es eine der Flüssigkeiten, die so genannte Endolymphe, die sich wahrscheinlich durch eine Resorptionsstörung vermehrt und zum Schwindel und den Hörstörungen führt. Warum es zu dieser Störung kommt, ist nicht bekannt. Vorangegangene Entzündungen des Innenohrs oder Verletzungen könnten eine Rolle spielen. Es wurde auch beobachtet, dass die Erkrankung häufig im Zusammenhang mit einer persönlichen Krise auftritt, ohne dass aber ein Zusammenhang hergestellt werden konnte.

Wie macht es sich bemerkbar? - Symptome

Betroffen sind meist Patienten zwischen dem 30. und dem 50. Lebensjahr. In der Regel kommt es zunächst zu einem Druckgefühl auf dem betroffenen Ohr, zu Ohrgeräuschen (Tinnitus) und zu einer Hörminderung. Meist setzt dann erst in der Folge ein akuter, heftiger Drehschwindel ein. Die Schwindelanfälle sind begleitet von Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit und Erbrechen. Auch Durchfall, unwillkürliche Augenbewegungen und eine erniedrigte Herzschlagfrequenz können auftreten. Oft haben die Patienten ein starkes Gefühl der Angst.
Die Attacke klingt innerhalb von Stunden spontan ab.

Wie geht es weiter? - Verlauf und Komplikationen

Gelegentlich gehen der ersten Drehschwindel-Attacke ein jahrelanger Tinnitus oder eine immer wieder auftretende Hörstörung voraus. Die Schwindel-Attacken können dann plötzlich, in manchen Fällen mitten im Schlaf, auftreten. Die Anfälle selbst dauern Minuten bis Stunden und wiederholen sich in unregelmäßigen Abständen.
Anfangs sind die Patienten zwischen den Anfällen beschwerdefrei. Im weiteren Verlauf bleiben Schwerhörigkeit und Ohrgeräusche erhalten und nehmen während der Menière-Attacke weiter zu.
Die Erkrankung kommt häufig nach 5-10 Jahren spontan zum Stillstand, wobei die Schwerhörigkeit meist erhalten bleibt. Jedoch treten in fast der Hälfte der Fälle innerhalb von 10-20 Jahren die gleichen Beschwerden auch auf der anderen Seite auf.
Während des Anfalls wird hauptsächlich die Übelkeit und das Erbrechen behandelt. Danach können Infusionen mit durchblutungsfördernden Mitteln, und im beschwerdefreien Intervall eine Therapie mit Medikamenten gegen Schwindel, den Verlauf günstig beeinflussen. Die Therapie sollte auf jeden Fall mit dem Arzt besprochen werden.
In ca. 5% der Fälle ist ein chirurgischer Eingriff erforderlich.

Was kann noch dahinter stecken? - Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen

Halswirbelsäulenveränderungen ("HWS-Syndrom") können Schwindel, Innenohrschwerhörigkeit und Tinnitus hervorrufen.
Beim akuten Hörsturz treten ebenfalls Tinnitus und Schwerhörigkeit, jedoch äußerst selten Schwindel, und wenn dann nicht als Schwindelattacken, auf.
Eine Viruserkrankung des Ohrs (Herpes zoster oticus) äußert sich neben Schwindel und Tinnitus mit heftigen Schmerzen und Entzündungen im äußeren Gehörgang.
Ein spezieller Tumor des Kleinhirns entwickelt sich langsam mit Hörstörungen und Tinnitus. Schwindel tritt normalerweise nicht auf.

Verhaltenstipps

Vermeiden von psychischen Belastungssituationen ("Stress"). Das Erlernen von Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenem Training kann hilfreich sein.
Einschränken von Nikotin, Alkohol und Kaffee. Umstellen der Ernährung auf salzarme Kost.
Kommt eine andere Erkrankung wie z.B. Allergie oder HWS-Syndrom als Auslöser in Betracht, muss diese behandelt werden.

Bearbeitungsstand: 27.07.2012

Quellenangaben:
Nagel, Gürkov, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Elsevier (Urban & Fischer), (2009), 2. Auflage - Gehlen, Delank, Neurologie, (2010), 12. Auflage


Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

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